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Berner & Natrup

Verbindung

Geschichten

1336- Ganz schön alt

1489- Nomen est omen

1805- Boesing ?

1812- Kosakentod

1829- Land gegen Last

1844- Doch kein Huhn

1845- Eisige Zeiten

1852- Provoziert

1866- Kirchensitze

1880- Ausgewandert

1892- Zurück zum Hof

1877- Doppelpack

1923- Brotgetreide

Stammbaum

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Wir schreiben das Jahr 1866 und können über einen nicht alltäglichen Vertrag berichten, der viel Raum für Vermutungen und Spekulation lässt. Allerdings betrachten wir zunächst ein wenig die Lebensumstände, denn so kann man sich die Not und die sich daraus ergebenen Ereignisse gut vorstellen. Aber könnte es so gewesen sein?

Wilhelm Kötting, geb 29. November 1808, bewirtschaftet seinen Zellerhof in der Bauernschaft Natrup. Wilhelm war verheiratet mit Anna Maria Gertrud Böhsing gt Berner, die ihm seit ihrer Eheschließung im Jahre 1841 vier Kinder geschenkt hatte. Zwei dieser Kinder hatten das sehr entbehrliche Leben bis jetzt überstanden und verdingten sich als Knechte. Herman Heinrich arbeitete auf dem Hofe Leiermann zu Uphoven und Bernard in der Bauernschaft Kümper in Altenberge.

Wilhelm und Maria hatten wahrscheinlich- wie jeder andere Bauer und Kötter auch- eine Flachsweberei, um zum Lebensunterhalt etwas dazu zu verdienen. Der Verdienst war seit dem Niedergang der Flachsweberei allerdings nur einige Pfennige und reichte wohl gerade aus, die Materialkosten zu decken. Diese Entwicklung in der Flachsweberei verschärfte bei vielen Familien in der Mittel- und Unterschicht die Einkommenssituation und damit die Chance auf ein einigermaßen ausgewogenes Auskommen.
Auch die Teilung der Mark hatte einige benachteilig, waren die zugeteilten Flächen doch von der bereits vorhanden Größe der Höfe abhängig.

Kötting lebte mit seiner Frau alleine auf dem Altbauernhof. Es ist anzunehmen, dass sie sehr wenig besaßen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Auch die Kinder dürften nicht viel dazu gesteuert haben, denn nur so wäre es zu erklären, dass Kötting sich zum Verkauf seiner 3 Kirchensitze zu einem Preis von 25 Rth entschied.
Der Käufer der Kirchenstühle war der Grundherr seines Sohnes Herman Heinrich, der Colon Leiermann zu Uphoven.

Kauf Contrakt

Zwischen dem Wil. Kötting zu Havixbeck und dem Colon Leiermann zu Uphoven Kirchspiel Nottuln, ist heute nachstehender Kaufkontrakt verabredet und geschlossen worden;

1), Der Wil. Kötting verkauft dem Leiermann zu Uphoven kraft dieser, seine in der Pfarrkirche zu Havixbeck belegenen drei Kirchensitze, für den vereinbarten Kaufpreis von 25 Thaler, geschrieben: Fünfundzwanzig Thaler und dann behält sich Verkäufer die freie mitbenutzung dieser Kirchensitze für seine Person bevor.

2), Der Verkäufer bekennt das Kaufgeld mit Fünfundzwanzig Thaler erhalten zu haben, und quittiert hiermit über den Empfang desselben.

3), Die Übergabe der Kirchensitze erfolgt gleich.

4), Beide Kontrahenten akzeptieren diesen Vertrag bestens, und entsagen dem Einwande der Verletzung über die Hälfte hiermit ausdrücklich.

Nottuln, 15.7.66 Kötting, Händler als Zeuge, Berner

Es ist nicht überliefert, was den Colon Leiermann bewegt haben könnte, Kirchensitze aus einer Gemeinde zu kaufen, die nicht zu seinem Kirchenspiel gehörten. Sicherlich muss es etwas absolut Wichtiges, vielleicht Lebenswichtiges gewesen sein. Colon Leiermann hatte auch nicht wirklich Interesse daran diese Sitze zu behalten, verschenkte er diese doch auf dem gleichen Stück Papier an die Kinder Kötting. Dieses mit der Auflage, das im Falle der Verpachtung, der Vater Kötting –Wilhlem- der Begünstigte ist.

Schenkungsvertrag

Ich Colon Leiermann zu Uphoven, übergebe diese meine im vorstehenden Kontrakt gekauften Kirchensitze, als ein Geschenk dem Bernard und Heinrich Kötting zu Havixbeck mit dem bemerken, sollten die Sitze ausgepachtet werden, so fällt das Pachtgeld dem Vater der Gebrüder Kötting anheim. Dieses hiermit bekräftigend ertheile ich(hiermit?) die Ermächtigung als Eigenthum, und unterschreibe unterdessen

Nottuln 15.7.66 Leiermann, Händler als Zeuge, Berner

Mehr ist über die Familie Kötting nicht bekannt.
Anna Maria Gertrud starb zwei Jahre später im Alter von 63 Jahren. Über das Schicksal von Wilhelm Kötting gibt das Kirchenbuch Auskunft. Hier ist vermerkt:

Wilhlem Kötting – Todestag 4 Dec 1879 – Starb im Armenhaus.

Auch über das Schicksal des Altbauernhofes gibt es keine Erkenntnisse, es war eines der Höfe, die einfach von der Natruper Bildfläche verschwanden.