Französische Revolution und ihre Folgen
Wir befinden uns in den Jahren um die Jahrhundertwende vom 18ten ins 19te Jahrhundert. Die Französische Revolution veränderte die Gesellschaft nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa. Das Heilige Römische Reich beginnt sich 1797 mit der Abtretung des gesamten linken Rheinufers an Frankreich aufzulösen. Es war Napoleon Bonaparte, der diese Veränderungen trieb. Bereits ab 1802 werden auf sein Betreiben alle geistlichen Fürsten enteignet und deren Besitz sowie ihre Untertanen an die deutschen Staaten verteilt, die durch die Abtretung des linken Rheinufers Schaden erlitten haben. In diesem Zusammenhang wird von der Trennung von Kirche und Staat, der Säkularisation gesprochen.
1804 wird durch den „Code Civil“ das bürgerliche Recht neu geordnet, durch diesen wird die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz bestätigt. 1807 erging ein „Edikt betreffend den erleichterten Besitz des Grundeigentums sowie die persönlichen Verhältnisse der Landebewohner“, dies stellt den Anfang der Bauernbefreiung dar.
1806 verhing Napoleon eine Kontinentalsperre gegen England, um die Engländer durch einen Handelskrieg in die Knie zu zwingen. Doch als Russland sich 1810 dieser entzieht, muss er auch gegen Russland kämpfen. Im Oktober 1812 muss er den Befehl zum Rückzug geben, um vor dem russischen Winter zu fliehen. Preußen und Österreich verbünden sich mit Russland und siegen in der Völkerschlacht bei Leipzig gegen Napoleon. Napoleons Truppen mussten sich zurückziehen und die russischen Truppen folgten rasch.
Was hat diese Geschichte nun mit Natrup zu tun?
Auf ihrem Vormarsch passierten diese russischen Truppen – Kosaken - auch
Natrup. Hier gab es nun eine Begebenheit, die wie folgt erzählt wird:
De Kosaken
In Norturp was grauten Uprohr. Et was in´n April 1813; Gerwing, ´well Buerschupbotheier (Bauerschaftsbote) was, har jüst de heele Buerschup afklabastert un bestellt, dat van Aobend Kosakeninquarteerung quamm. De Fraulüde hülden, de Buern leipen buoßen herüm un versochten, noch wat te verstoppen, wat se iellig up de Siet brengen konnen.
De Kosaken wassen en wöst un wild Volk. Se kämmen damals ut Rußland un nammen alles met, wat se konnen. Se wassen all mährmaols up de Nottelske Landstraot, de daomols de Hauptheerstraot von Mönster nao Wesel was, herupkuemmen un hären de Anwüöhners all so allerhand wegnuomen. Schult Kiünig un Scharlau wassen all so vörsichtig tvest, dat se öhre Piärde bie Böckenhüsers Kuorten, well an de Nordsiet ächter den kiünningsbrock lagg, in't Backs verstoppten, tvell dao daomols gar kienen Weg hengong.
In Nortrup kreeg nu auk jede siene Inquarteerung; Käls met Piärd un Wagen un Kanunnen un allerlei Kriegsgereih. De Kosaken moken sik faots en graut Füer midden up de Diäl unner de Luk, dat de Flammen bes unner de Balken slagen. Bie Schult Tilbiecks un Irfkes bodden se dat Füer sogar up’n Balken an den Schuosteen, wao se vörher erst Steene up den Briäderbeschluß legt hadden. Mann kann das vandage noch de schatten Rotplacken an den Schuorsteen sitten seihn. Daomals was dat ne ganzgefäöhliche Saak, weil alle Hüser naoch Strauhdäch hadden. Trotzdem aoiver kein Hus daovon afbrannt, denn de Käls possen doch up se sich nich sölfvst de Hütt up den Kop anstacken.
De Buern deihen sick in't Guede met de Kärls hen, so guet äs men äwen miüglich was, gawwen öhr wat to iärten un For foer de Piärde. Se gongen aower de heele Nacht nich nao’n Berre, denn se wassen al bange vör dat ruhe Volk.
Bie Berner´s hadden de Kosaken nu faots ‚n Aug up so'n wunnerschönen Schimmel-hengst, wat den Bernersöhm sien Lieblingspiärd was. Se deihen den Hengst daorüm forts requitteren. Aower de Oehm was'n grauten, starken Käl un in siene besten Jaohren. He wocht dann enen passenden frien Augenblick af, wäs de Luft rein was, trock den Hengst gau´n Halster üöwer, satt up un klabastert met dat Piärd de Kämp nao deb Biärg herup. Dao verstoppte he den Hengst in ne Miärgelkuhl tüsken dicht Strukwiärk un lag sick dann up de Luer, ow öm auk en naoquamm.
Un richtig genog; en Kosak quamm öm naorieden un wull öm sienen schönen Hengst wier wegniemen. De Öehm schnappt gau enen Speller Böckenholt ut ne Klafter, duckt sick dao ächter, bes de Karl kiegen öm is, springt up un heit den Kosaken met dat Holtspeller midden vör den Kopp, dat he faots daut von't Piärd föllt. Dat Kosakenpiärd schnappt he dann auk hennig un bind't an'n Baum un luert nao de Buerschup herunner, ow noch mähr naoquamm. Men de Oehm hadde Glück. In döswen Moment wuor in de ganze Buerschopp Alarm bloßt to't Sammeln för den Wiedermarsch. Daobie vergatten se den enen Käl, wel den Oehm naorieden was, un trocken aohne düssen wieder.
Berners Oehm häff dat Kosakenpiärd den Dag up nao Hues halt un noch vielle Jaohre lang up'n Acker brukt.Den Dauden Kosak häs he dao unnen in den Biärg begraben un Hardts Oehm wiest vandage noch dat Graw an, wo de Kosak begraben ligg, un häss för den armen Karl, wel dao so wiet von siene Heimat in ungewiehte Äer lieg, mansken 'n Vaterunser för siene arme Seel biädt.
Berners Oehm sölwst is nao twiälf Jaohr, 1825, up ne ganz egenartige Art un Wies üm't Liäben kuemen. He hadde auk Immenvolk, äs se daomols hier üöwerall hären. Nu wast Mitte Juni un siene Immen wullen noch nich laoten. He wuor de sölserrig üöwer, namm sik 'en Buskenbengel un schmet de Küwen all von de Bank herunner. Dann düörsckede he met den Bengel drup un reip: „Ik will ju Deiwels laoten lähren!." Men de Immen nommen dat verkärt up, follen üöwer öm her un stacken öm dermaßen, dat he laupen gaohn moß. Ennige Stunn later schwoll öm den Hals to von dat vielle Stiäken, he stickte un gonk daut.In Havkesbiek in't Kiäkenbok steiht daobie de Bemiärkung up Latin schriewen: „An Bienenstichen gestorben."
Quelle: H. Wegmann, Havixbecker Heimatbrief Nr. 15
In der Gemeindechronik
Diese Geschichte scheint unseren Melchior doch arg mitgenommen zu haben, denn in der
Chronik der Bürgermeysterey Havixbeck pro 1822 liest man unter Punkt 4. Die Statt gehabten Unglücksfälle:
2tens: Ein sieben und vierzigjähriger Ackerknecht Names Melchior Berner so von Jugend auf blödsinnig gewesen, beschäftigte sich eines Tages im May mit Bienen und wollte selbe zum schwärmen zwingen. Diese aber fielen über ihn her, zerstachen ihm ganz sein Gesicht und Hals, so daß Letztere ihm zugeschwollen, und er in einer Zeit von zwey Tagen an den Folgen gestorben.
Die Chronik ist unterzeichnet von
Haus Havixbeck
Den 1 ten September 1823
Der Bürgermeister
Gez. Frh. Von Twickel


