Wir schreiben das Jahr 1805. Natrup war der Grafschaft Horstmar zugehörig und hatte entsprechende Abgaben zu zahlen. Auf Berners Hof lebten Joan Herman Berner mit seiner Familie. Seine Frau ´Anna´ Maria Gertrud Dreyhues hat ihm 5 Kinder geboren, vier Jungen und ein Mädchen.
Die Kinder waren inzwischen großjährig, alt genug um zu heiraten und alt genug das einer von ihnen das Hoferbe antrat.
Nun war es üblich, dass der Grundherr ein gewichtiges Wort bei der Erbfolge des Hofes mitzureden hatte. Mitunter bestimmte der Grundherr auch denjenigen als Erben, der ihm geeignet erschien. Dieses konnte eben auch der Schwiegersohn sein. Aber das sind nur Vermutungen. Es ist nicht belegt wie es dazu kam, dass die Anna Maria ´Gertrud´ und ihr Ehemann Joannes ´Herman´ Böshing den Hof übernahmen und die andere Geschwister als Ackerer auf dem Hof blieben.
Auf jeden Fall heiratete Gertrud den Herman Böhsing am 5ten Februar 1805, welcher auf den Hof Berner auffuhr.
Wir wissen, dass es diesem Umstand zu verdanken ist, dass fortan und weil es im Münsterland üblich war, dass ein Sohn, der von einem anderem Hofe kommt, seinen Namen behält und den Namen des Hofes mit dem Hinweis „genannt" führt, der Name fortan „Boesing gt. Berner" ist. Seine Nachbarn redeten ihn mit dem Hofnamen an und seine Nachkommen und andere Personen, die auf dem Hof lebten, behielten den Hofnamen.
Diese Gepflogenheiten hatten den Vorteil, dass niemand sich bei der geringen Lebenserwartung an einen neuen Namen gewöhnen musste. Diese Praxis wurde auch genutzt, wenn keine eigenen Kinder vorhanden waren und jemand an Kindes statt angenommen wurde.
Dieser westfälische Namensbrauch aber war in der preußischen Verwaltung nicht gerne gesehen, erlaubte es doch den Untertanen, ihre Identität zu wechseln. Einer Verfügung des Westfälischen Oberpräsidenten, Freiherr Vincke ist es zu verdanken, dass der Hofname dem Geschlechternamen durch ein "genannt" nachzustellen ist. Diese Verfügung wurde am 7. November 1828 durch das preußische Innenministerium gebilligt.
Joannes „Hermann“ Böshing war Sohn des Joannes Gerardus Bösnick und der Anna Maria Seine aus Lavesum, wahrscheinlich Lochtrup. Dort wurde ein Gut zur Unterhaltung der Kapelle in zwei kleine Höfe zerteilt. Ein Hof wurde der Familie Bösing zugewiesen. Der Pachtzins jährlich betrug 9 Scheffel Roggen, welcher pünktlich zu Martini zu zahlen war.
Herkunft des Namens Boesing
Ursprünglich wohnte auf dem Hof ein Boßing. Über die Zeit ist aus dem Boßing ein Boesing geworden. Es wurde ja auch immer geschrieben wie gesprochen.
Auch hier gilt wie bei Berning, dass die Endung "-ing" grundsätzlich die Zugehörigkeit zum dem vorrangestelltem Wortteil, in der Regel der Name einer bestimmten Person oder eines Ortes, bezeichnet.
"Bosso" ist die Kurzform des Burkhardt. Mit einem Vorname und mit dem Nachnamen "Boßing" bedeutet also, dass diese Person zum Burghardt gehört, also Sohn oder Tochter von Burghardt ist.
Burghardt selbst wird althochdeutschenb interpretiert aus "Burg = Schutz" und "harti = stark".
