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Im Gegensatz zur stabilen geographischen Lage oder zur verhältnismäßig langen, aber langsamen Geologischen Entwicklung, sind die Änderungen der politischen Gegebenheiten, gerade in der jüngeren Vergangenheit rasend schnell. Dieses nicht so sehr auf der Bauernschaftsebene, sondern auf der Ebene der Gemeinde und der Zugehörigkeit.

Aber betrachten wir dieses im Einzelnen:

Natrup gehört als eine der elf Bauerschaften, neben Tilbeck, Masbeck, Lasbeck, Poppenbeck, Walingen, Herkentrup, Gennerich und Hangsbeck, und zählt man auch Bombeck und Hohenholte, zur Gemeinde Havixbeck. Die beiden letzt genannten gehörten nur zeitweise dazu. Dieses ist so seid wir die Aufzeichnung kennen, heißt aber nicht unbedingt, dass die Abgaben an das Dorf geleistet wurden. Natrup erlebt gemeinsam mit Havixbeck eine durchaus wechselvolle Vergangenheit, in ständig sich ändernden Zugehörigkeiten, insbesondere zu Münster und Coesfeld. Den ersten Hinweis auf Natrup gibt das Urbar der Abtei Werden an der Ruhr. Hier kann über die zu leistenden Abgaben eines Liudico nachgelesen werden und es wird allgemein mit 890 n.Chr. beziffert.
Das Kloster Werden wurden gegen Ende des 8-Jahrhunderts von

  Liudger, ein Friese von vornehmer Geburt, der in des König Auftrag seit 793 die kirchliche Ordnung Westsachsens schuf ,

gegründet. Luidger, auch der erste Bischof Münsters (30. März 804), ist bekannt für sein Wanderleben zur Verkündung des Evangelium.

  Auf seinen Reisen hatte er aus eigenem Vermögen oder aus Stiftungen einen ansehnlichen Streubesitz am Niederrhein, in Westfalen und im Emsland geschaffen, den er dem Kloster überwies.

Luidger starb am 26. März 809 in Billerbeck.

Im Urbar der Abtei ist vermerkt, dass der Mansus aus Nordthorpe Abgaben, von 890 bis zur Mitte des 13-Jahrhunderts, über das Amt Hrodwerks und später über den Fronhof Eichholt in Lüdinghausen an das Kloster in Werden zahlen musste.

Um 1282 wurde der Hof Nordthorpe von einem münsterschen Bürger Rike an die Martinikirche in Münster verkauft. In der Administration des Fürstbistums Münster gehörte Natrup in Verbindung mit der Gemeinde Havixbeck zum Amt Horstmar, das bis 1803 Bestand hatte. Zum Amt Horstmar gehörten auch einige Nachbargemeinden, wie Billerbeck, Nottuln, Teile von Darfeld und Teile von Darup und andere.

1803 wird das Fürstbistums Münster aufgelöst und die Grafschaft Horstmar gelangt in den Besitz des Wild- und Rheingrafen von Salm-Grumbach. Während der Französischen Zeit gehörte Natrup mit der Mairie Havixbeck vom 20. Mai 1809 bis 1811 innerhalb des Großherzogtums Berg zum Arrondissement Coesfeld, hier zuerst zum Kanton Billerbeck und von 1811 bis 1813 zum Kanton Nottuln.

Die Gemeindechronik Havixbeck, verfasst durch das Haus Havixbeck, Freiherr von Twickel am 17ten Januar 1821 berichtet:

  Nach dem Tode des letzt verstorbenen Fürstbischofs Maximilian Franz hatte bey Ausführung der Secularisations Tractate diese Gemeinde das Schicksal, dass sie zersplittert, und ein Theil dem Rhein- und Wildgrafen, der andere aber dem Köngl. Preußische Antheile Münsterlandes zugeschrieben wurde. Nach der Zeit des für die Preuszische Monarchie unglücklich geführten Krieges, im Jahre 1806, hat diese Gemeinde gleichzeitig mit den übrigen benachbarten mancher ley Veränderung erlitten, und war bald Bergisch, bald Französisch, mit unter zur Veränderung auch mal auf eine kurze Zeit der Holländischen Regierung untergeordnet.

Über die Zeit der Französichen Besetzung haben wir von

  De Franzosentied
Von Heinrich Wegmann, Herkentrup

1807, achzehn hunnert un sieven, as Westfaolen unner Napoleon siene Herrschaft quamm, dao mossen de jungen Käls auk all bie de Franzosen intriäden un Soldaot werden. Ganz vull van de Jungs war dütt nich nao de Müsk un daorüm dessertören se vaken. Bie Kooks, up son Buenhoff dao ächten in den Diäspenhook, dicht an de graute Amshorst un den grauten Küenningsbrook, wao boll kien Mensk henguamm, hadden sick fast immer sokke Dessertörs verstopp. De daomaolige Förster von de Amshorst gaff düsse jungen Kiäls Arbeit in de Amshorst, wao se Holt hauen, Gräwens utschmieten und Wiäg biättern mössen. Dat Iätten kregen se dann auk oft bie Koohs. Schlaopen daihen se dan bi Koohs in de Schür, well ganz ächten up den Hof stonn. Ganz dicht an de Schür lagg son klein Büsken, so fief bes seß Muorgen graut, met lange, dichte Baim drin, un auk vull Strukswiärk. An de ächterste Siet van de Schür nao dat Büsken hen, hadden sick de Dessertörs een Brett loßnnommen, hadden Hängsels drup niägelt un düt Lock, wao so äskes een Kiäl dör gong, benutzten se äs Dör tot flüchten in den Busk, wenn äs nachs Revision quamm un datt Hus affsocht wuor. Dütt kleine Dörken ächter de Schür sitt dao vandag noch un kann sick jedereen daovon üövertügen.

Enes nachts nao twiälf Uhr guamm äs een Schandarm met en Tropp Dörpers ut Roxel up den Hoff, um datt Hus nao Dessertörs afftesöken. De Schandarm stellde seine Lüde rund üm da Hus, daomet nich een herutkuemen konn. Schult Bernd kreeg sienen Posten vör de Niendör un reip ganzlut: „ Kats nao den Balken!“ Datt sall een Signal sein, dat, wenn eenen Dessertör unner int Hus sien soll, sick düssen nao den Balken flüchten soll wao he dann so licht nicht to finnen was. De Schandarm sochte dat Hus aff un funn nicks. Ennen Dessertör met Namen Tüns, well jüst de Nacht up´n Balken schlaopen hadde un von den Spektakel upwakt was, hadde sick ächtern Kornsack herunnerglieden laoten, wao äm sigger kien Mensk finnen koun. Aes de Schandarm met siene Lüde nu wier aftrock, bohrde sick Tüns met sien Swiärt, wat he ümmer nao bie sick hadde, een lock in dat Strauhdack, stak den Kopp dao dör un konn sölvst dat Volk wier afftrecken seihn, denn buten scheen de Vullmaond.

So hebt sich ümmers vull Dessertörs bie Koohs uphollen un nich een is affangen wuorden. De daomaolige Koohsbuer sorgte auck gued für siene Lüde un dao he auck Buerschops-Bottheier (Botschafter) was, wuß he ümmer äs de tärste all Bescheid, wenn äs wat quamm. Aes 1813 de Brüs wiär de Herrschapp üöver Westfaolne kreeg, nammen düsse Dessertörs all een annern Namen an, un wörn nu wier prüsk. In den Amtshorst wäd vandag noch den Weg wiest, well de Dessertörs vör hunnert fief un twintig Jaohr damaols makt hebt. Dat kleine Dörken ächter de Schür het sick siet de Tied all manigerern bekieken un het dabobie an die Franzosentied trüggdacht. Viell Guedes hadde Napoleon in de paar Jaor, wao he hier de Herrschaft hadd heff, auck daohn. Besonners, dat he de Buen van de Leibeigenschaft frie makt heff, mott man öm haug anriäken. Auck Koohs sind daomaols frie kuemmen un sind sietdem en frieen Buenhoff. De olle Kooksiärs liävt vandag nao up denn Hoff, un de letzte Buer het oft nobens ant Hiärdfüer von de Franzosentied un de Dessertörs vertellt, un auck manigereen dat Dörken ächter de Schür wiest. He het dat sölvst ja nich beliäwt, wuß dat osser von sien Vader und sien Oehm, siälge Melchet Koohs.

Dat Dörken ächte de Schuer wätt vandag noch in Aehren haollen un gärne jedermann wiest, well sick daoför intresseert.

Ab 1813 wurden die Mairien als Bürgermeistereien weitergeführt. Havixbeck war nun dem Bezirk Münster zugehörig. Aber bereits am 10. Aug. 1816 wurde innerhalb der Neuordnung durch die Preußische Herrschaft Havixbeck dem Kreis Coesfeld eingegliedert.

Bereits 1832 trat wieder eine Änderung ein, die länger anhalten sollte, und Havixbeck wurde als selbstständige Gemeinde dem Münsterschen Kreis zugeteilt. Diese Ordnung hielt bis 1974. Nur in der Zeit von 1929 bis 1955 wird das Amt Havixbeck aufgehoben und mit seinen Bauerschaften dem Amt Roxel zugeordnet.

Am 1.1. 1975 wurde Havixbeck und seine Bauernschaften wieder dem Kreis Coesfeld zugeordnet.

(Quellen)