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Siedlungskern Natrup

LU55248© LMZ RP/G. Rittstieg

(Mit freundlicher Unterstützung von Prof Dr. Lioba Beyer)

Zum ersten Mal Erwähnung findet Natrup im ältesten Werdener Urbar in der Zeit um 890 n. Chr. und zwar zusammen mit dem benachbarten Tilbeck. Es ist anzunehmen, dass Natrup wesentlich älter ist, als es die erste Nennung vermuten lässt.
Hier ist nachzulesen, dass Natrup „Nordthorp“ hieß, was soviel wie Norddorf heißt. Im Urbar der Abtei Werden ist wie folgt zu lesen:

  Von der Mansus des Liudico aus Natrup zugehörig zur Villikation Lüdinghausen des Meiers Hrodwerk waren zu entrichten:

24 Scheffel Gerste, ein Sickel Getreide in beliebiger Art; 8 Denare (Pfennige) zum Heerschilling und Heermalter, anstelle der Pflicht, den Vertreter des Grundherrn auf der Durchreise zu beherbergen 12 Scheffel Malz oder 14 Scheffel Gerste und ein Schwein im Wert von 8 Denaren(Pfennigen).

Um ca. 1800 hat der Ort eine Fläche von etwa 540-550ha und mit einem Höhenunterschied von etwa 170m im Baumbergbereich bis 70m in der Hohenholter Senke und umfasst folgende Gebiete:


Baumberger Wald

Kötterhaus

Die Bauerschaft bestand aus drei Hofgruppen und einer Einzelsiedlung.
Den Siedlungskern bildeten die elf Altbauernhöfe, auch Zeller genannt. Hierzu gehörten: Weiling, Jwecker, Himker, Jafert, Deitering, Eilker, Köttering, Hart, Gerwing, Berning, Esker. (siehe Abbildung Siedlungsbereich Natrup )

Außerdem waren noch weitere Kötter- und Heuerlingshäuser, die zum Teil auch als Altenteile dienten, teil des Siedlungskerns. Einige dieser Altbauerhöfe sind im Laufe der Jahre aufgegeben worden oder aber siedelten nach der Teilung der Mark bzw. der Vöde um.

Schulzenhof

Etwas abseits, aber ebenfalls am Quellhorizont orientiert, lagen der Schulzenhof, Scharlau, der Zellerhof, Vollmer, sowie ein weiteres Heuerlingshaus. Zu diesem Schulzenhof gehört auch das weit ab liegende Heuerlingshaus am Ende des Vödegeländes. Eine dritte Häusergruppe bestand aus sechs Kötter, die sich am Rande des Niedrigsten Natruper Feldes zusammendrängten. Der Name „Domhof“ lässt sicher eine entsprechende Zugehörigkeit vermuten.

Die beiden Hofgruppen, der Siedlungskern und der Schulzenhof lagen zwischen dem trockenem Ackerland oberhalb und den feuchteren Wiesen unterhalb der Siedlungsbereiches und reihten sich entlang des Weges nach Havixbeck auf. Der Domhof lag abseits im Vödegebiet.

Die Baumberge fotografiert vom Münsterweg

Richtung Westen vom Treffpunkt der Obersten Natruper Felder mit dem Niedrigsten Natrup Feld

Die Art und Weise wie der Siedlungskern Natrup angelegt ist, wird auch als Waldhufe bezeichnet. Dieses bedeutet, dass es sich um ein Reihendorf handelt, bei dem das zum Hof gehörige Land sich hinter der Hofstätte befindet.

Wie die Siedlungskarte zeigt, gehört das Ackerland oberhalb des Siedlungsgebietes zu den Zellern. Die Kötter haben, wenn überhaupt, nur kleine Grundstücke und die Heuerlinge in der Regel gar keins.

Das Vödeland unterhalb der Siedlung, von dem auf der Karte nur ein winziger Ausschnitt zusehen ist, war zum Teil Gemeinschaftsland (Allmende). Die Altbauern oder Zeller benutzten sie vier Jahre lang als Ackerland (vierjährige Felder) und mussten diese dann in den darauf folgenden vier Jahren, während der Dreischperiode, als Gemeinweide liegen lassen. Natürlich genossen sie auch hier Vorrechte, aber es waren alle, auch die Kötter und Heuerlinge, berechtigt dieses als Weide zu nutzen.

Die Heideflächen im Niedrigsten Natruper Feld dienten als Weidefläche zur Mast oder zum Stechen von Plagen, die zur Düngung der Ackerfelder genutzt wurde. Die Heidefläche mussten sich viele teilen und es ist sicher sehr vorstellbar, dass dieses Gelände einem sehr starkem Raubbau ausgesetzt war.

Diese gemeinschaftliche Nutzung der Fläche änderte sich erst mit der Markenteilung, die in Natrup 1826 begann und 1829 ihren Abschluss fand.

Schauen wir uns die Karte „Siedlungsbereich Natrup – Gemeinde Havixbeck um 1826 “ noch einmal genau an:

Die Feldflur über „7.Brink / Kamp 7 am Hoff“ unten mittig zeigt ein Kreuz?

Aus überlieferter Quelle wird berichtet, dass dieser Kamp der zur Kirche gehörte und den armen Seelen vorbehalten war, die ihre letzte Ruhe wegen Verfehlungen nicht auf dem kirchennahen Friedhof erhalten konnten.

Waren hier Mörder, Räuber und andere fragliche Gesellen beerdigt?

Baumberger Wald in den Höhengebieten Landwehr als Grenze zu Stevern