In Natrup hat sich ein sehr alter Pfingstbrauch erhalten, dessen Ursprung man nicht eindeutig zurückverfolgen mag. So schreibt Friedr. Fhr. v. Droste-Hülshof in einem Beitrag für die Zeitschrift "Niedersachsen. Halbmonatsschrift für Geschichte, Landes- und Volkskunde, Sprache und Literatur Niedersachsens" Bd. 7 von 1901 auf S. 270ff:
"Man wird nicht fehlgehen, wenn man den Ursprung auf ein Fest zu Ehren des Donnergottes Donar oder Thor zurückleitet, dessen Wirksamkeit Ende Mai und Anfang Juni vorzugsweise in die Erscheinung tritt. Da um dieselbe Zeit das Pfingstfest gefeiert wird, so lag es nahe, nach Einführung des Christentums, das ursprünglich heidnische Fest mit dem christlichen in Verbindung zu bringen."
Die Nennung von "Koesfelds" deutet nach seiner Meinung auf eine Verbindung zu Thor.
Wesentlich begreifbarer ist die Erklärung von Bernhard Rothers (Jahrbuch 1985, Kreis Coesfeld), der die Entstehung des Brauches auf die Hirten des Viehs auf den Gemeinflächen zurückführt. Die Hirten bekamen wegen ihres recht mageren Verdienstes einen "guten Tag" gewährt, an dem sie die Eigentümer des Viehs um Nahrungsmittel und einige Pfennige baten. Aus diesem Betteln ist im Laufe der Jahrhunderte ein Heischebrauch für die Kinder entstanden, wohl weil die Hirten nicht mehr betteln brauchten oder aber sich schämten. Zu Bedenken ist auch das am Anfang des 19. Jahrhunderts die Gemeinflächen aufgelöst wurden und Hirten hier nicht mehr benötigt wurden. Rothers berichtet auch, dass bei dem Lied auch noch ein anderer Brauch, nämlich die Pfingstwallfahrt zum Heiligen Kreuz nach Coesfeld, zum Ausdruck kommt. Die Havixbecker mussten sehr früh aufstehen, um die 22km nach Coesfeld zu gehen und gelegentlich kam es vor, dass das Walkenbrücker Tor noch verschlossen war und der Wächter des Tores sich den Spottversen aussetzen musste, die sich auch heute noch im Pfingstlied der Kinder widerspiegeln.
Dieses Pfingstfest ist nun ein Fest für die Kinder geworden und am Nachmittag des ersten Pfingsttages marschieren sie, von einem Festhaus ausgehend, singend von Haus zu Haus und sammeln Eier. Einer der älteren männlichen Bauerschaftsjugend trägt die „erste Fahne“, gefolgt von der restlichen Kinderschar, ebenfalls mit Fahnen bzw. Fähnchen in der Hand, durch die Bauerschaft. Einige der größeren Fahnen, seid Generationen weitergegeben, sind aus rot-weißen Tuchstreifen hergestellt und erinnern wohl an die westfälischen Landesfarben. Sie tragen dabei selbstgemachte Hütte mit einem aus Papierstreifen hergestelltem Federbusch. Ein "Hauptmann", in der Regel durch den Ältesten der mitwirkenden Kinder gestellt, trug auch noch einen Säbel als Zeichen des Amtes. Dadurch erinnerte die Kinderschar mehr an einen Tross „Soldaten“ auf Beutezug durch die Bauerschaft.
Dabei sangen sie:
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Pingstebloom, du fule Hohn, wörst du fröher upgestaohn, wörst du met nao Coesfeld gaohn. Coesfeld is verschluoten, de Schlüödel, de is tebruoken, wel häw dat daohn? De Wiäwer up´n Toon, wie willt´n daut schlaohn! Laot´n no´n bietken liäwen, he kann so mohig wiäben; legt´n up dat Spinnfatt, haut öm wat met de Pann vört Gatt. Hedatt, watt klappert dat! |
Beim letzten Reim war es durchaus üblich mit den Fahnenstangen kräftig auf dem Boden zu stoßen, um damit eine Menge Lärm zu erzeugen.
Hinter dem ersten Fahnenträger reihte sich die männliche Kinderschar ein, gefolgt von den Mädchen, die die Korbträgerinnen stellten, und zum Schluss dem „Maihänken und Maihönken“, gestellt durch die jüngsten der Mitwirkenden. Kinder mit besonderer Funktion, wie Hauptmann, erster Fahnenträger, Korbträgerinnen und Maihönkes erhielten als besonderes Zeichen der Würde eine Schärpe. Die Mädchen schmückten sich mit selbst gemachten Papierblümchen, so genannten „Drüffkes“, die wohl an die Pfingstblume erinnern.
„Maihänken und Maihönken“ erhielten zusätzlich ein goldenes Papierkrönchen, als Symbol Ihrer besonderen Aufgabe im jedem Haus brav ihr Verslein
Hat Maihönken auk Eier lecht?
aufzusagen, um damit die Eier und Süßigkeiten im besuchten Hause einzufordern. Als Gegenleistung erhielt das besuchte Haus eine selbst gebastelte Papierfahne. Die gesammelten Eier wurden schon während des Umzugs zum Festhaus gebracht, so dass alle Vorkehrungen für die Rückkehr der Akteure getroffen werden konnten.
Die gesammelten Süßigkeiten wurden am Ende gleichmäßig verteilt.
Näherte sich die Festgesellschaft dem Festhaus, so wurde laut ein anderer Liedvers angestimmt:
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Moder do de Pann upt Füer, De Pingstebloom de is de wier! |
Natürlich wurde dieser Liedvers mehrmals wiederholt, damit die Eier auch ja schon bei der Rückkehr gebacken auf dem Tisch standen. Der Tag endet mit gemeinsamem Spiel.
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Und heute ...
Auch heute ist Pinkstebloom immer noch ein Anlass, durch die Bauerschaft zu gehen, um Eier und Süßigkeiten zu sammeln. Die werden natürlich wie früher auf einem der Höfe gebacken und gemeinsam gegessen. Es bleibt auch immer noch ein Grund für die Nachbarschaft zusammen zu finden.
| Pingsteblom 2005 |
(Liebe Natruper, wenn ihr die Bilder in einer reproduktionsfähigen Auflösung möchtet, so schickt mir bitte eine Mail.)







